zurück

Das Original-Review gibts hier.

DORN - Spiegel der Unendlichkeit

Spiegel der Unendlichkeit

Tracks wie "Eisglanz", "Winterwacht" und "Nachtblut" lassen ungefähr erahnen, welche Atmosphäre hier treffend und zielsicher erschaffen wird: Der Hörer ist mittendrin im Schlachtengetümmel der großen Mächte, zwischen Untergang und Wiedergeburt - wobei hier bewußt auf die schematisierende Unterteilung zwischen Gut und Böse verzichtet wird. Soweit der inhaltliche Hintergrund dieser Scheibe, welcher jedoch auch reichlich Interpretationsspielräume für den Hörer offenlässt.

"Spiegel der Unendlichkeit" ist die immerhin bereits fünfte Scheibe von Dorn. Alles begann als Soloprojekt des Riger-Keyboarders Roberto, welcher die ersten drei Alben auch weitestgehend im Alleingang aufnahm. Erst das 2004er-Album (und Vorgänger von "Spiegel der Unendlichkeit") "Suriel" wurde von einer inzwischen fünfköpfigen Band inklusive Sängerin mit entsprechendem Bombast eingespielt. Sängerin Ira und Keyboarder Lars verließen jedoch die Band wieder und seitdem besteht Dorn aus der klassischen Dreier-Besetzung (Roberto - Gitarre, Keyboards, Gesang; Sebastian - Schlagzeug und Micha - Bass.

Auf dem aktuellen Album wurde auch auch das Mitwirken weiblicher Gastsängerinnen verzichtet. Während "Suriel"

aufgrund der vielen Köche an manchen Stellen wie geschmackreduzierter Brei klang, hat Dorn mit dem neuen Album spürbar an Kontur und Erhabenheit gewonnen. Der Melodic Death Metal Dorn´scher Prägung setzt auf orchestrale Keyboardflächen, finsteren Growls und infernalischen Kreischern. Neben ausgeprägtem Drum-Galopp hört man auch reichlich akustisch reduzierte Passagen, welche von Gitarre oder Piano getragen werden. Das Keyboard setzt die epischen Melodiebögen Robertos fast so eloquent um wie ein (imaginäres) komplettes Orchester. Elektronisch erzeugte Chöre überzeugen mit hoher Autenzität. Die in deutsch eingesungenen Texte paaren sich perfekt mit der akustischen Untermahlung. Roberto setzt mitunter auch auf Flüstern oder nachdenklich-prosaische Momente, die den ohnhin überwiegend durch die Growls erzeugten Härtegrad des Albums dämpfen.

In zehn Tracks erzeugt Dorn wahre Hymnen, welche nicht nur Metallheadz, sondern auch Gothic-Freunde begeistern werden. Die Stimme Robertos erinnert beim Growlen mitunter an Crematory. Ein Effekt, der auch durch den großzügigen und akzentuierten Keyboard-Einsatz unterstrichen wird.

"Spiegel der Unendlichkeit" ist die bestandene Reifeprüfung der inzwischen in Kontinität eingerichteten Band. Das Album ist so, wie moderner Melodic Death Metal sein sollte: Kraftvoll aber sensibel, zornig, aber dennoch auch traurig. Wundervolle Melodien (man höre nur das herrliche "Windtränen" oder auch den Opener "Eisglanz") nehmen einen gefangen und lassen einen erst nach der (leider sehr) kurzen Spielzeit von guten 43 Minuten wieder los. Für mich ist diese Scheibe schon jetzt eines der besten Alben des Genres. Applaus Applaus!!

(Schwarzer Tau)


zurück