Einst bekannt als Tastentiger von Riger, ist der Potsdamer Roberto Liebig, todesmetallisch wieder äußerst triebig, zurück. Auf seinen bisherigen drei Alben "Falschheit", "Brennende Kälte" und "Schatten der Vergangenheit" noch überwiegend als Solist unterwegs, ist sein Projekt DORN nun eine vollständige Band in Quintettbesetzung geworden. Doch nicht nur das, auch soundtechnisch hat sich was geändert: Neu hinzugekommen ist Sängerin Ira, welche den acht neuen Melodic Death Metal-Böllern mit ihrer fließend femininen Vokalisierung stellenweise einen gar nicht mal so dezenten Gothic Metal-Touch verleiht - erinnert dabei frappierend an eine Kapelle namens Darkwell. Liebig hat seine bisher wirklich tadellos gespielten Keyboards aus den Händen gegeben und spielt unterm Shouten nur noch Gitarre - der neue Mann Lars macht seine Sache sicherlich auch nicht schlecht, aber hier hatte Liebig zuvor eindeutig die besseren Karten in den talentierten Händen. Der sehr clever in seine Position gewählte Opener, schlicht "Hass" betitelt, weiß gleich sehr gut zu gefallen mit seiner für DORN nur zu typischen Mischung aus druckvoll intensivem Schlagzeugspiel, tief ausgeprägter Gitarren-Melodienführung und labend unkomplizierter Eingängigkeit. Weiter geht es mit dem Song "Morgengrauen & Dämmerung", welcher ebenfalls eine souveräne, mit massiv dosierten Keyboard-Einsätzen versehene Death Metal-Nummer geworden ist - so richtig zünden will der Track aber nicht. Schuld daran sind Längen im Songwriting, die ihm innewohnen. Sehr gut geht dagegen dann wieder der fünfte Soundbolzen "Mächtige Träume" ab; jedes verwendete Instrument scheint hier eine tragende Rolle zu spielen. Schön ideen- und abwechslungsreich, so hört man es gerne. Ein absoluter Übersong wie "Aggression" von seinem bisher gelungensten und kompositorisch treffsichersten zweiten Albumknaller "Brennende Kälte" ist diesmal erneut nicht mit an Bord. Irgendwie fehlt mir hier sowieso auf weiten Strecken die allzu deutlich spürbare Hingabe und das vollkommen bezwingende Feeling, welches sich auf den vorherigen Alben, insbesondere den ersten beiden, nicht zuletzt durch die hochintensiven Gruftgesänge Liebigs manifestierte. Fast, als hätte man ihm Rachenraum, Kehlkopf und Stimmbänder neu justiert, ist seine Vokalisierung auf "Suriel" diesmal doch recht eindimensional ausgefallen. Und beim neuen Logo drücke ich ja gerne noch alle beiden Augen zu, aber über das dem fortgeschrittenen Status von DORN absolut nicht gerecht werdende Cover-Artwork von "Suriel" lässt sich sicher - je nach Blickwinkel - endlos streiten.

7 von 10 Punkten

(Markus Eck September 2004)

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