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Das Original-Interview gibts hier

Gutes muss man manchmal gar nicht weit entfernt suchen. Denkt man an Dark oder Gothic Metal, fallen dem geneigten Hörer zumeist Combos aus Finnland, Norwegen oder Österreich ein. Mit der Band Dorn, deren Mitglieder in Potsdam und Berlin beheimatet sind, kann auch Deutschland bzw. Brandenburg mit einem erfolgreichen Vertreter dieses Metiers aufwarten.

Dorn gibt es mittlerweile schon seit 1998. Damals gegründet von Roberto als Nebentätigkeit zu seiner damaligen Hauptband Riger, wo er die Tasten bediente. Anfangs war Dorn auch ein Projekt von Roberto ganz allein, wo er alle Instrumente bedient und auch eingespielt hat. Aufgrund der guten persönlichen Bekanntschaft zum Riger-Label "CCP-Records" in Österreich gab ess nach ein paar Demoaufnahmen auch ziemlich schnell einen Plattenvertrag dazu.

berichtet Bassist Micha von den Anfängen der Band.

Mitte 2000 erschien dann das erste Dorn-Album "Falscheit". Da die Arbeit mit Dorn immer umfangreicher wurde, sah sich Roberto gezwungen, bei Riger auszusteigen um sich ganz Dorn widmen zu können. So entstanden in den Folgejahren die beiden Alben "Brennende Kälte" und "Schatten der Vergangenheit". Soweit lief alles wunderbar nur dürstete Roberto schon seit längerer Zeit danach, wieder auf Bühnen zu stehen um die Musik live präsentieren zu können. Also begann er, seine Suche nach fähigen Mitstreitern zu intensivieren und es fanden sich zunächst Lars (Keyboard) und ich ein, die Roberto durch einen gemeinsamen Bekannten kennen lernte. Wenig später fanden wir auf eine Anzeige hin Sebastian als Drummer. Nachdem wir so etwas zusammen gearbeitet hatten, bot sich die Möglichkeit, auch noch eine Sängerin in unseren Sound integrieren zu können. Wir entschlossen uns, es mal zu versuchen und wurden so mit Ira zunächst komplett.

erzählt Micha die Geschichte von Dorn weiter.

In dieser 5er-Besetzung nahmen die Berliner/Potsdamer das 4. Album "Suriel" auf, das es seit Ende 2004 auf dem Markt gibt.

"Seit November 2004 kann man uns also auch live sehen. Dem Hörer wird emotionaler Metal, vom Keyboard dominierte Melodien und aggressive Gitarren geboten. Stimmlich bedient sich Roberto dabei zumeist der Death-Metal-Growls und Ira singt die recht hohe, klare Frauenstimme. Wegen diesem Mix ist es auch nicht ganz leicht, eine Kategorie für unsere Musik zu finden. Wir wissen es ja selbst nicht genau. Es ist weder Gothic- noch Black- noch Death-Metal, obwohl aus allen Sparten sicherlich Stilelemente zu finden sind. Naja, so wichtig war es uns auch nie, einen passenden benannten Rahmen dazu zu finden.

definiert der Viersaiter den eigenen Stil. Leider war die Band in ihrer Geschichte auch vor personellen Veränderungen nicht ganz gefeit. Lars entschied sich aus persönlichen Gründen, das Musizieren an den Nagel zu hängen und Ira wird es höchstwahrscheinlich aufgrund ihrer vielen längeren Auslandsaufenthalte zukünftig bei Dorn auch nicht mehr geben.

"Im Moment spielen wir live also nur mit einem Keyboard "vom Band", was der Atmosphäre leider nicht unbedingt zuträglich ist. Wenn also zufällig jemand diese Zeilen liest, der gern bei uns Keyboard spielen möchte - wir sind dringend auf der Suche, einfach bei micha@d-o-r-n.de melden.

ruft Micha Euch als Leser auf.

Während Micha schon einiges zur Bandgründung und der Anfangszeit erzählt hat, führt das Gespräch nun zum ausschlaggebenden Punkt für die Bandgründung.

Einiges dazu hab ich ja grad schon beantwortet. Ursprünglich war es so, dass Roberto etwas gesucht hat, wo er seine eigenen Ideen unbeschränkt ausfalten konnte, etwas, bei dem er selbst sich nach Lust und Laune austoben konnte. Das war bei Riger nur bedingt möglich, da er eben nicht allein war. Zu Dorn als Band statt als Ein-Mann-Projekt kam es dann hauptsächlich, weil man allein schlecht live spielen kann und ich glaube auch, weil Roberto sein "Einsiedler-Dasein" auch langsam wieder gegen ein Gruppengefüge mit all seinen Vor- und Nachteilen tauschen wollte. Als Band kann man doch mehr und andere Dinge tun, als als Einzelperson. Im einfachsten Falle, weil immer mehrere Standpunkte und Blickwinkel vorhanden sind, zum anderen da verschiedene Persönlichkeiten und musikalische Hintergründe sicher auch unser musikalisches Spektrum erweitern.

zählt der Bassist die Vorteile der jetzigen Konstellation auf.

Neben dem originellen Sound von Dorn und dem Arbeiten mit deutschen Texten ist besonders der Name, unter dem sich die Musiker formierten, auffällig und lässt so einiges an Gesellschaftskritik vermuten.

Wie kommst Du denn darauf, dass der Bandname gesellschaftskritische Äußerungen widerspiegelt, haha? Naja, aber ganz Unrecht hast Du schon nicht. Bei Dorn als Name dachte Roberto durchaus an einen Dorn an einer Pflanze und dessen Eigenschaften: Er ist klein und spitz, wird niemanden umbringen, aber durchaus schmerzen, wenn man sich dran sticht. Wir wollen keine Weltverbesserer sein, aber hin und wieder ein kritischen Wort zu einigen Dingen, die auf dieser Welt passieren, sollen durchaus angebracht werden.

erklärt Micha. Zu dieser Philosophie gesellt sich der dramatische Dark/Gothic Metal, der mit etlichen Elemente weit über den "normalen" Sound dieser Spielart hinaus aufwartet. Wie würdet ihr also selbst die Musik von Dorn beschreiben?

Hach ja, die Frage, die niemand so recht beantworten kann. Für die Leute, die Musik machen, ist es meist eh nicht so wichtig, wie man den Rahmen nennt, jedoch sind wir uns auch im klaren darüber, dass jeder, der zum ersten Mal mit uns in Kontakt kommt, ziemlich früh fragen wird "Was issn das für Musik". Tja, und dann stehen wir ratlos da. Gothic wars hauptsächlich durch Iras Stimme, Death-Metal durch Robertos Stimme, Black-Metal durch das Keyboard, Darkmetal durch die düstere Atmospäre, die wir zu erzeugen versuchen. Also alles zusammenschmeißen und es Dark-Gothic-Black-Death-Metal nennen? Sicher nicht, das sagt ja letztendlich gar nichts, weil eben alles drin ist. Reiner Gothic ist es nicht, da es Iras Stimme nur auf diesem einen Album gibt, die Death-Metaller schimpfen auf das Keyboard, die Black-Metaller stört die Stimme... Machen wir es kurz: im Moment nennen wir es Dark-Death-Metal. Wer Keyboards prinzipiell nicht mag (und davon gibt es recht viele), wird mit uns leider auch nichts anfangen können, und wer Interesse hat, hört sich eh früher oder später die Musik an und entscheidet dann selbst, ob es in die Sparte "rockt" oder "rockt nicht" passt. Wir selbst versuchen Musik zu schaffen, die berührt, mit der man sich beschäftigen kann, die Emotionen weckt und die letztendlich einfach gut klingt.

lautet die Selbstbeschreibung aus dem Dorn-Lager.

Bei derart vielen Einflüssen und Stilistiken für die Dorn steht ist es interessant, diese einmal aufzuschlüsseln und anzugeben, wer wofür im Sound der Band steht.

Da haben wir zunächst Roberto. Letztendlich der musikalische Kopf der Band, Texter, Hauptsongwriter und der, ohne den Dorn nie entstanden wäre. Übernimmt live Gitarre und Gesang, aufgrund des momentan fehlenden Keyboarders schreibt er auch die Keyboardlinien. Als Einflüsse würde ich einfach mal Dimmu Borgir und Emperor nennen, irgendwie alles, was episch angelegt ist. Dann Sebastian, unser Drummer. Zuständig für technische Fragen, welches Kabel muss in welches Loch? Huch, der Computer geht nicht? Wieso kommt das Keyboard nicht vom Band usw. Einflüsse soweit ich weiß: nen klassischer Rocker. Im Moment hört das Line Up bei mir schon wieder auf: Micha, Bassist. Zuständig für Management-Kram, Konzerte ranschaffen, mit Leuten quasseln, Website aktuell halten. Meine Einflüsse? Hmm... Metallica, Samael, Hypocrisy, irgendwie alles, bei dem es sowohl verzerrte Gitarren als auch Melodien gibt.

gibt Micha Aufschluss.

Die Texte hatten wir bereits vorhin kurz angerissen, nun soll sich diesen ausführlich gewidmet werden. Die Lyrik von Dorn besticht durch einen melancholischen, anklagenden und sehr ernsten bzw. auch philosophischen Unterton.

Die Texte kommen im Moment zu 100% aus der Feder von Roberto, insofern kann ich nur sagen, was ich darüber weiß: Sie handeln von allem, was ihn beschäftigt und betrifft, was sein Leben berührt. Das können sowohl sehr emotionale, persönliche Erfahrungen sein aber auch Dinge, die täglich in der Welt zu beobachten sind. Man kann nicht pauschal sagen, worum es in den Texten thematisch geht, das ändert sich manchmal von Song zu Song, von der Grundstimmung her auch von Album zu Album, obwohl es keine Konzeptalben im eigentlichen Sinne sind, was natürlich nicht bedeutet, dass es kein Gesamtkonzept hinter den Songs eines Albums gibt.

so Micha.

Auf "Suriel" handelten viele Texte von persönlichen Beziehungen und deren Zerbrechen, auf dem nächsten Album - soviel sei vorweggenommen - wird es hauptsächlich um den Kampf zwischen Glauben und Religion gehen. Tiefere Erkenntnisse überlassen wir aber auch ganz gern der Interpretation des Hörers/Lesers. Wir wollen schon, dass man sich mit den Texten beschäftigt, wenn man sie verstehen möchte. Allzu plakatives ist hier unser Ding nicht. Dinge wie die "genre-typischen" Metzel-Texte, Christen-Schlachten, gotisches keiner-kann-mich-leiden, fantasiehaftes auf-Drachenflügeln-Rumgereite oder prolliges kämpfe-und-stirb-für-den-wahren-Metal wird es bei uns also nicht geben. Dorn-Texte sind eher wie kleine Gedichte, voll von Metaphern und Gedankenbildern. Hieraus folgt dann auch, dass wir niemanden damit direkt zu irgendetwas auffordern. Wer sich dafür interessiert, soll sich mit den Texten beschäftigen, wer daraufhin etwas tun oder sagen möchte, soll dies auch tun, aber wir nehmen uns da nicht heraus, Anweisungen an den Zuhörer zu geben. Mal abgesehen vielleicht von "mache Dir Deine eigenen Gedanken und gehe den Weg, den Du für dich als den richtigen bestimmt hast. Ach ja, alle Texte sowie ein paar Songs gibt es natürlich gratis auf unserer Website http://www.d-o-r-n.de!

wirbt Micha in eigener Sache. Dorn singen wie wenige Bands aus dem Deutschsprachigen Raum von Beginn an in ihrer Muttersprache. Seht Ihr diese Tatsache im Nachhinein eher als Limitierung oder Befreiung?

Es ist weder eine Limitierung noch eine Befreiung sondern etwas ganz natürliches. Deutsch ist unsere Muttersprache, in der wir uns alle am besten artikulieren können. Die Frage nach englischen Texten hat sich für uns nie gestellt, da wir nicht mit der Ziel angetreten sind, möglichst schnell den internationalen Markt zu erobern, dafür ist es wohl auch zu sehr Nischen-Musik. Mal abgesehen davon, dass wir in Englisch niemals die Aussagen und Bilder der deutschen Texte so einbringen könnten. Gut, man mag sagen, dass es an unseren mangelnden Englisch-Kenntnissen liegt, dann ist es eben auch so. Dann lieber das, was man kann, richtig machen, als etwas anderes halb.

lautet die einleuchtende Antwort. Blickt man auf die gut fünf Dorn-Jahre zurück, hat die Band bereits einiges erreicht. Welchen Status habt in Euren Augen erarbeitet?

Hmm... Status? Wie soll man den benennen? Immerhin haben wir es geschafft, einen Plattenvertrag zu bekommen, der auch verlängert wurde, insofern scheint unser Label ja nicht ganz unzufrieden mit uns zu sein. Trotzdem muss man wohl ganz klar sagen, dass wir uns hier im Underground bewegen. Schon innerhalb Deutschland kennen und nicht allzuviele Leute und weiter weg werden es noch weniger. Umso mehr freut es uns natürlich, wenn wir hin und wieder Post aus Brasilien, den USA, Russland oder Skandinavien bekommen, in der uns ein paar Leute mitteilen, dass sie uns kennen und mögen. Wir versuchen natürlich durch möglichst viele Konzerte die Menschen auf uns aufmerksam zu machen. Unsere eigene Sicht der Dinge zum "Status" ist, dass wir selbst unsere eigene Musik mögen, was wohl auch das Wichtigste ist. Wir sind damit zufrieden und wollen trotzdem immer mehr und noch etwas bekannter werden.

resümiert Micha den Erfolg der Band seit Bestehen. Aufgrund von Aussprüchen wie "Der Metal ist in Berlin tot" könnte man auch meinen, dass es Bands dieser Spielart besonders schwer in der Hauptstadt sowie Umland haben.

Ich kann leider nur sehr schwer einschätzen, wie die Szene in Berlin/Potsdam im Vergleich zu anderen Orten innerhalb Deutschlands ist. Als hinderlich empfinde ich Potsdam aber nicht, zumal lediglich Roberto in Potsdam wohnt. Ich bin aus Berlin, Sebastian aus Brandenburg. Die Situation ist insofern gesund, als das es sicher sehr viele kleine Bands gibt. Das Problem ist nur, dass viele Bands wahrscheinlich nie die Chance erhalten, etwas bekannter zu werden, was leider nicht einmal an den musikalischen Fähigkeiten der einzelnen Bands liegt. Generell kann man wohl festhalten, dass Musik eine sehr harte Branche, besonders für weniger bekannte Bands ist. Kaum ein Veranstalter findet sich, der jemanden bei sich spielen lassen will, den er nicht kennt. Aus seiner Sicht natürlich verständlich, aber andersrum kann es sich keine Band über einen längeren Zeitraum leisten, für Gigs draufzuzahlen. Letztendlich ist es wohl leider so, dass von der Kreisklasse bis zur Bundesliga derjenige gute Chancen hat, der genug Kohle im Rücken hat, um Touren, Werbung, Vertrieb, Merchandise-Sachen und ähnliches zu finanzieren.

schätzt der Bassist der Dornen ein. Fünf Jahre Dorn sind bereits absolviert, bleibt die Frage, wohin Dorn noch möchten?

Wir haben keine speziellen Ziele herausgegeben, wo wir in fünf Jahren stehen wollen und was wir planmäßig tun wollen um dieses oder jenes zu erreichen. Hauptsächlich wollen wir Musik machen, die uns selbst gefällt und das auch noch möglichst lange. Das diese Musik vielleicht auch anderen Leuten gefällt, freut uns natürlich und wir wollen auch, dass es möglichst viele sind, denen wir bekannt sind, das ist aber nichts, an dem wir aktiv arbeiten, indem wir Musik machen, von der wir denken, sie würde anderen gefallen. Dabei würde einfach Herzblut fehlen und uns selbst würde der Spaß vergehen. Wo wollen wir noch hin? U2 haben neulich im Olympiastadion vor 60.000 Leuten gespielt, oder? ;-)

grinst Micha. Und was bringt die Zukunft?

Tja, wenn ich das wüsste, hätte ich zumindest keine finanziellen Sorgen mehr ;-) Was man aber sagen kann, ist das wir Anfang nächsten Jahres wieder ins Studio fahren um unser neues Album aufzunehmen. Wir sind mitten im Songwriting dafür. Wahrscheinlich wird das Album dann gegen Ende 2006 erhältlich sein. Ansonsten bringt die Zukunft hoffentlich Dorn auf zahlreiche Bühnen vor möglichst zahlreich erschienenes Publikum. Wir gehen auf jeden Fall den Weg weiter, den wir eingeschlagen haben.

verspricht der Saitenzupfer. Und wie sieht der typische Dorn-Fan aus, der auf den Konzerten erscheint?

Hmm... Wie sieht denn der typische -Fan aus? Hab ich echt keine Ahnung. Ich würde jetzt gern schreiben, dass dem Dorn-Fan innere Werte wichtiger sind, als das offensichtliche, dass er sich Gedanken um sich, sein Leben und sein Umfeld macht, dass er versucht, hinter Fassaden zu schauen, Dinge zu begreifen, von denen andere nicht mal wissen, dass es sie gibt und dass er einen Hang zu perfektionistischen, komplexen Arrangements und ungeraden Rhythmen hat, aber man soll ja nicht von sich auf andere schließen ;-) Der typische Dorn-Fan ist vermutlich einfach ein ganz normaler Metaller, dem zufällig Metal mit Keyboards und Gitarren gefällt.

grübelt Micha. Zum Abschluss etwas Zukunftsmusik. Dorn wird so richtig erfolgreich, dann...

Dann würde nicht ich hier schreiben sondern meine Presseabteilung und ich könnte als Schlagzeile irgendwo lesen, was ich für einen Mist gesabbelt hab ;-) Nein im Ernst: Es sagt sich immer so leicht, dass sich gar nichts ändern würde, aber wer glaubt das schon? Klar würde sich mein Leben ändern, wenn ich plötzlich ein paar Millionen auf dem Konto hätte, ich glaube sogar, dass es mir gefallen würde. Nur hoffe ich, dass sich dadurch nicht unsere Einstellung zu unserer Musik ändern würde. Ich hoffe nicht, dass wir jemals in die Verlegenheit kommen, etwas tun zu sollen, was wir selbst nicht unbedingt wollen. Aber da bin ich im Moment ganz guter Dinge *g.

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