zurück

1. Roberto, warum hast du mit "Dorn" ein Soloprojekt (mittlerweile wohl Hauptprojekt) ins Leben gerufen und wo siehst du musikalische und ideologische Unterschiede zu "Riger"?

Ich gründete DORN als Nebenprojekt, da ich bei RIGER meinen musikalischen Neigungen und stilistischen Veränderungen keine Rechnung mehr tragen konnte. Es befriedigte mich nicht mehr. Bei RIGER spielte ich lediglich die Synths und das allein reichte mir nicht mehr. Ich hatte tausend Ideen, die auf Gesang und Gitarren bezogen waren. Da RIGER eine 6-Köpfige Band war, jeder allein entschied, was er spielte, gründete ich DORN, um dort meine Ideen zu verwirklichen.


2. Bei "Dorn" bist du für alles alleine verantwortlich, alle Instrumente werden von dir selber eingespielt. Worin siehst du Vor- und Nachteile eines Soloprojekts?

Der absolute Vorteil ist der, dass du wirklich auf alles Einfluss hast. Du lenkst Songgestaltung, Ideenverwirklichung, Arrengement und alles Drumherum, was ja ebenfalls enorm wichtig ist. D.h., es klappt alles ohne Zwischenfälle, ohne Probleme. Man kann seine ganzen Ideen auch alle selber in die Songgestaltung einbeziehen. Es macht sehr viel Arbeit im Gegensatz zu einer Band, aber der Spaßfaktor und Erfolg machen dies mit Leichtigkeit wieder wet. Der Nachteil im Gegensatz zu einer Band ist auch offensichtlich. Ich kann nicht live spielen, jedenfalls nicht so ohne weiteres. Das ist mir der größte Nachteil, an dem ich aber schon arbeite.


3. Hast du noch Kontakt zu deinen alten Kollegen von "Riger"?

Nicht wirklich. Zu einem speziell habe ich noch Kontakt. Die anderen habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ich bin aus Ffo in die Nähe von Berlin gezogen und da ist es schon fast zwangsläufig, dass man sich verlebt.


4. Warum hast du die Band überhaupt verlassen?

Ich verließ die Band im März diesen Jahres ausschließlich aus persönlichen Gründen. Schon längere Zeit ließ die Arbeit von RIGER zu wünschen übrig. Keine Motivation, keine Auftritte, die Ideen waren nicht so gut, haben keinen umgehauen. Siechtum. Und noch viele Faktoren mehr, die das Arbeiten bei RIGER zu einem Temperament einer Schlaftablette machten. So kam es, dass ich unbewusst oder bewusst mehr Kraft und Zeit in DORN investierte. In Linz beim Recording von "Brennende Kälte" traf ich diese schwere aber doch richtige Entscheidung, RIGER zu verlassen. Es brachte nichts mehr und wenn ich RIGER heute ansehe, dann kommt nicht ein Funken Reue auf. Mein zweiter Longplayer "Brennende Kälte" ist hierbei der erste Schritt, doch niemals letzte, auf meinem musikalischen Weg im Diesseits.


5. Bei "Dorn" singst du in deiner Muttersprache. War von vorneherein klar, daß du auf Deutsch singen würdest oder hast du auch mal darüber nachgedacht auf Englisch zu singen?

Ich hatte nicht nur darüber nachgedacht in Englisch zu singen, sondern hatte es auch probiert. Aber ich bin nicht das ultimative Englischass und folglich schaffte ich nicht das auszudrücken, was ich in Deutsch am besten kann. Hinzu kommt, dass ich mir Peinlichkeiten bezüglich Grammatik / Rechtschreibung im Englischen ersparen wollte. Meine ganzen Gefühle und Ansichten kann ich in meiner Muttersprache am besten ausdrücken, da die Lyrik bei DORN enorm wichtig ist. Wenn andere, die meiner Sprache nicht mächtig sind, jene Lyrik verstehen wollen, dann können sie sich ein Wörterbuch nehmen. Ich muss das bei englischsprachigen Bands auch tun.


6. Dein neues Album "Brennende Kälte" wird sehr von den Keyboards dominiert. Wann hast du angefangen Keyboard zu spielen und was für eins benutzt du?

Nun, angefangen mit dem Keyboard habe ich mit meinem 14. Lebensjahr. Wobei ich die damaligen Fähigkeiten mit einem Lächeln als Geklimper betiteln würde. Aber so ist er nun einmal, der Anfang. Mit der RIGER - Gründung, meinem 16. Lebensjahr, bekam das Keyboardspiel eine neue Bedeutung und meine Fähigkeiten steigerten sich schnell. Nur muss ich dazu sagen, dass ich nie, weder bei den Klampfen noch bei den Synths, auf einer Musikschule war oder sonstigen Unterricht nahm. Die beste Musik ist die aus dem Bauch. Und dieses Feeling bekommt man nur, wenn man sich die Instrumente selber beibringt. Ich benutze seit 2 Jahren einen Roland - Synthi, mit dem ich sehr zufrieden bin. Aber eine neue Investition ist schon geplant.


7. Programmierst du die ganzen Sounds selber oder greifst du da auf "Presets" zurück?

Nein, ich programmiere sehr wenig komplette Sounds. Die Presets sind wirklich gut ausgefeilt. Ich ändere lediglich Lautstärken, Modulationen, Effekte oder einzelne Wellenformen, füge welche zu bestehenden hinzu oder nehme welche weg, bis meine Performance den Touch hat, den ich wünsche. Bei den Presets der authentischen Sounds ändere ich wenn überhaupt nur Halleffekte, da sonst der charakteristische Klang des Instrumentes verloren gehen würde. Viel hilft nicht immer viel.


8. Was hältst du von Samplern?

Nun, wenn du die Sampler als Musikmacher meinst und nicht die Sammlung verschiedener Bands in Form einer CD, dann muss ich dir sagen, dass ich keinen habe. Folglich kann ich nicht so viel darüber sagen. Wenn ich das Geld für einen guten Sampler hätte, dann würde ich mir trotzdem einen zulegen, da hier die Soundauswahl elendig groß ist und die Originalität der authentischen Sounds überaus hoch ist. Aber Qualität hat seinen Preis, der mir einfach zu hoch ist.


9. Kommen wir doch mal auf den Titel des neuen Albums zu sprechen. "Brennende Kälte", das klingt so wie "Schwarzer Schimmel". Was steckt hinter diesem Wortspiel?

Ja, so ähnlich ist das auch gemeint. Das ganze Album handelt von einer Ironie, die sich überall breit macht. Ob es nun in der Gesellschaft, bei zwischenmenschlichen Beziehungen oder sonst wo ist. "Brennende Kälte" spuckt förmlich eine Ironie heraus, die auch bezweckt ist. Der Titel eines Albums sollte, meiner Meinung nach, eine Art Überschrift vom Inhalt der darin enthaltenen Songs sein. Das DORN - Album handelt von meinen persönlichen Erfahrungen und Ansichten und ich erzähle über die daraus hervorragende Ironie. Ganz besonders klar verdeutlicht der Titelsong "Brennende Kälte", warum ich nun auch noch direkt diese beiden Wörter wählte und nicht z.b. "Schwarzer Schimmel". Aber lest und hört selbst...


10. Gibt es eine Art lyrisches Konzept auf dem Album? Wovon handeln deine Texte, wovon läßt du dich inspirieren?

Wie schon eben erwähnt hat das Album ein lyrisches Konzept. Die Texte handeln mit einer Ausnahme: "Wahre Worte" von meinen persönlichen Ansichten, Erfahrungen im Weltlichen, in Gesellschaft und Frauensachen. Meine Inspiration rührt nun auch daher. Die Texte entstehen nach Gefühlsleben und Nachdenken über diese einzelnen Sachen. "Wahre Worte" ist eine schon vorhandenes EDDA - Gedicht, was mehr als nur passt zum Titel "Brennende Kälte". Den Titel "Wahre Worte" wählte ich selber, um meinen Kommentar zu diesem Gedicht gleich mit auszudrücken. Es verdeutlicht auch, dass die besungene Ironie nicht zeitlich, sondern menschlich ist.


11. Was hat es eigentlich mit der nackten Schönheit im Artwork auf sich? Findest du nicht, daß das ein bischen klischeehaft wirkt? Warum gerade eine nackte Frau? Inwiefern paßt sie zu den Inhalten von "Dorn"?

Tja, mit dieser Frage habe ich nun schon eine Menge Erfahrung. DORN ist viel zu persönlich, als dass ich mich nach dem richte, was sein soll und was nicht sein soll. Wenn es nun "klischeehaft" wirkt, dann wirkt es halt so. Wenngleich ich weiß, dass so etwas schon viel in der Szene verwandt wurde, richte ich mich nicht danach. Mir gefällt das und deshalb ist mein Booklet auch so gestaltet. Die Wahl dieser Gestaltung und auch einer nackten Frau liegt an meinem Hang zu Romantik und ansehnlichen Erotik. Wie du auch bemerktest, ist sie nicht hässlich und das finde ich ebenso. Und wenn eine Frau nackt ist, kommt ihre Schönheit für mich erst richtig zur Geltung. Die Photos sind ebenfalls DORN und sie drücken auch meine Neigungen bezüglich Geschmack und Artwork aus. Natürlich haben diese Photos etwas zu bedeuten. Im einzelnen sind sie eine bildliche Unterstützung zu einem der darüber abgebildeten Texten. Betrachtet man z.b. "Sehnsucht Gegen Trotz" dann wird man bestimmt feststellen, was ich damit meine. Ebenso wie in "Todesangst". Weiterhin ist das Booklet wie ein kleines Bilderbuch aufgebaut. Beginnt es mit mir allein auf dem Cover, geht weiter über die verschiedensten Gefühlsebenen und Erfahrungen zur Abwendung und endet mit ihr allein. Die letzten Worte des letzen Songs "Wahre Worte":"...und nicht gewann ich das Weib." bekräftigen meine in "Brennende Kälte" erklärte Ironie. Diese Ironie zieht sich wie ein roter Faden durchs Album und durch die beabsichtigte Reihenfolge der Photos. Außerdem fallen die Photos schon in die Kunstsparte und ich denke, nur wer sie verkennt, wird sie abstempeln.


12. Wie wichtig ist dir eigentlich deine Internetpräsenz? Deine Seite sieht ja schon recht ordentlich aus.

Internet ist das ultimative Medium der heutigen Zeit. Hier findet man alles, was man braucht und sucht. Mir ist die Präsenz von DORN sehr wichtig, da auf dieser offiziellen Homepage vieles von DORN zu finden ist, was man sonst nicht gleich auftreiben könnte. Sei es die Texte zum download oder Infos und News. Das Kompliment gilt aber nicht mir, sondern meinem Webmaster, dem EX - Bassisten von RIGER. Er trug und trägt viel zur Gestaltung und Pflege bei.


13. Wie schätzt du die Zukunft des Internets ein, und was hältst du von Napster?

Das Internet wird sich weiter etablieren, was aber eigentlich schon längst getan hat. Ich meine damit, dass es nicht vernachlässigt werden wird. Von keiner Seite, nicht vom User und nicht von Anbietern. Tja, Napster ist eine traurige Sache, wenngleich sich schon längst andere Seiten gefunden haben, die Napster imitieren. Ich fand es sehr gut, fast jeden Song, den man suchte, hat man gefunden und einfach in sein Sortiment aufgenommen. Und ich finde die Sache mit dem Urheberzeugs übertrieben. Gefällt mir ein Song einer Band, den ich heruntergeladen habe wirklich gut, dann kaufe ich mir sowieso das Album. Ob ich nun das komplette Album runterladen könnte oder nicht. Aber vielleicht ist das nicht bei allen so. Wer weiß...


14. Was machst du eigentlich, wenn du nicht geraden mit "Dorn" beschäftigt bist?

Nun, DORN beansprucht wirklich viel Zeit in meinem Leben. Aber wenn ich mal nicht komponiere, dann höre ich meistens Musik, surfe im Internet und treibe mich in Berlin herum. Neben DORN und dem Job ist ja nun nicht allzuviel Zeit. Ich dichte auch gerne und lese viel.


15. Auf deiner Homepage suchst du Livemusiker. Sind Konzerte mit Dorn geplant und haben sich schon Leute bei dir gemeldet?

Leider haben sich noch keine Musiker bei mir gemeldet, ich bin aber optimistisch und hoffe auf baldiges Interesse. Demzufolge sind noch keine Gigs geplant. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Hoffentlich. Ich will gleich hier die Gelegenheit nutzen: Also wer Interesse hat, in der Nähe Berlin wohnt, der soll mir einfach schreiben unter DORN@d-o-r-n.de oder verewigt sich in meinem Gästebuch auf http://www.d-o-r-n.de. Danke schon mal im Voraus. Antworten sind garantiert.


16. Deine Einsellung zum Okkultismus und zum Satanismus?

Okkultismus ist eine für jeden unterschiedliche Sache. Für mich spielt er nicht so eine große Rolle. Aber ich bin nicht dagegen. Wenn jemand einem Okkult folgt, dann wird er seine persönlichsten Gründe dafür haben und für jeden bringt der Okkultismus andere Gefühle und Befriedigungen hervor. Da ich gänzlich gegen das Christentum bin, habe ich auch nichts mit dem Satanismus zu tun. Der Teufel und der Satanismus entspringt der christlichen Lehre. Würde ich mich zum Satanismus begeben, dann bin ich voll integriert in der christlichen Religion und das ist nun bestimmt nicht mein Streben. Ich bin aber nun auch kein Militant und zum Glück sind Gedanken frei. Die meisten, die sich als Satanisten bezeichnen, befinden sich auch als absolut böse, als absolut "evil". Oh je, mir wird schlecht. Für mich ein Trend, dem die meisten verfallen, da sie eine Abwechslung zum Alltagsleben suchen. "Verlockende Falle"?? Aber soll jeder machen wie er denkt.


17. Was für Bands haben dich beeinflußt?

Also von direkter Beeinflussung kann ich nicht reden, das würde einem Nachahmen gleichen. Nein ich wurde unbewusst von vielen Bands beeinflusst...Type O Negative, Slayer, Death, Emperor, Limbonic Art, die alten Scheiben von Dimmu Borgir, Unanimated, Falkenbach, Samael, Moonspell, Covenant, Children Of Bodom und eine Menge andere. Aber ich höre nicht nur Metal, auch Oldies beeinflussen mich unbewusst. Da gibt es schöne Titel. Aber DORN ist die größte Beeinflussung.


18. Was hast du noch für Ziele mit Dorn?

Also wie schon gesagt, will ich DORN nicht ewig als Soloband durch die Mystik traben lassen, sondern will mir eine Band aufbauen, um endlich live spielen zu können. Und ich mache einfach weiter Musik, so dass ein drittes Album sicherlich folgen wird.


Danke für die Beantwortung der Fragen

zurück